Joseph Victor von Scheffel (1826-1886)
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Der in Karlsruhe geborene Scheffel verbringt seine Kindheit und Jugend in Karlsruhe. |
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Mit Scheffels Versepos "Der Trompeter von Säckingen" und dem daraus entnommenen "Trompeterlied" wird Säckingen in Deutschland bekannt und Bad Säckingen pflegt bis heute mit einem Trompetenmuseum und zahlreichen Darstellungen des Trompeters die Erinnerung an seinen berühmten nur kurz in der Stadt lebenden Mitbürger.
Das Trompeterlied "Behüt' dich Gott"
Das ist im Leben häßlich eingerichtet,
daß bei den Rosen gleich die Dornen stehn,
und was das arme Herz auch sehnt und dichtet,
zum Schlusse kommt das Voneinandergehn.
In deinen Augen hab' ich einst gelesen,
es blitzte drin von Lieb und Glück ein Schein:
Behüt' dich Gott, es wär zu schön gewesen,
behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein.
Leid, Neid und Haß, auch ich hab' sie empfunden,
ein sturmgeprüfter müder Wandersmann.
Ich träumt' von Frieden dann und stillen Stunden,
da führte mich der Weg zu dir hinan.
in deinen Armen wollt' ich ganz genesen,
zum Danke dir mein junges Leben weih'n.
Behüt' dich Gott, es wär zu schön gewesen,
behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein.
Die Wolken flieh'n, der Wind saust durch die Blätter,
ein Regenschauer zieht durch Wald und Feld,
zum Abschiednehmen just das rechte Wetter,
grau wie der Himmel steht vor mir die Welt.
Doch, wend' es sich zum Guten oder Bösen,
du schlanke Maid, in Treuen denk' ich dein.
Behüt' dich Gott, es wär zu schön gewesen,
behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein.
Schon 1855 erscheint Scheffels historischer Roman "Ekkehard. Eine Geschichte aus dem 10. Jahrhundert", der im Raum Hohentwiel und Bodensee spielt. Der Roman Ekkehard zeigt auf der Suche nach einer geistigen Heimat eine literarische Verklärung des Mittelalters und eine Abwehr der ungebremsten Modernität und Industrialisierung in den Gründerjahren vor der Reichseinigung von 1871. Der Roman beginnt:
"Es war vor beinahe tausend Jahren. Die Welt wußte weder von Schießpulver noch von Buchdruckerkunst. Über dem Hegau lag ein trüber bleischwerer Himmel, doch war von der Finsternis, die bekanntlich über dem ganzen Mittelalter lastete, im einzelnen nichts wahrzunehmen. Vom Bodensee her wogten die Nebel übers Ries und verdeckten Land und Leute. Auch der Turm vom jungen Gotteshaus Radolfszelle war eingehüllt, aber das Frühglöcklein war lustig durch Dunst und Dampf erklungen, wie das Wort eines verständigen Mannes durch verfinsternden Nebel der Toren."
Schon in den Jahren vor der Reichseinigung entwickelt sich in Deutschland ein regelrechter "Scheffelkult" und zu seinem 50. Geburtstag 1876 wird Scheffel Ehrenbürger von Karlsruhe, Heidelberg, Säckingen und Radolfszell. Denkmäler werden erstellt, Strassen, Plätze und Schulen nach dem Dichter benannt und der badische Grossherzog erhebt Scheffel 1876 in den erblichen Adelsstand.
Eine besonders enge Beziehung verbindet Scheffel mit Heidelberg, bis heute ist das Gedicht "Alt-Heidelberg, du feine" bekannt:
Alt-Heidelberg, du feine,
Du Stadt an Ehren reich,
Am Neckar und am Rheine
Kein' andre kommt dir gleich.
Stadt fröhlicher Gesellen,
An Weisheit schwer und Wein,
Klar ziehn des Stromes Wellen,
Blauäuglein blitzen drein.
Und kommt aus lindem Süden
Der Frühling übers Land,
So webt er dir aus Blüten
Ein schimmernd Brautgewand.
Auch mir stehst du geschrieben
Ins Herz gleich einer Braut,
Es klingt wie junges Lieben
Dein Name mir so traut.
Und stechen mich die Dornen,
Und wird mir's dauß zu kahl,
Geb' ich dem Roß die Spornen
Und reit' ins Neckartal.
In der 1867 veröffentlichen Gedichtsammlung "Gaudeamus. Lieder aus dem Engeren und Weiteren" finden sich viele bis heute bekannte Lieder, z.B.: Das war der Zwerg Perkeo im Heidelberger Schloss (Perkeo), Als die Römer frech geworden (Die Teutoburger Schlacht), Im schwarzen Wallfisch zu Ascalon (Altassyrisch), Wohlauf die Luft geht frisch und rein (Wanderlied) und "Die Lieder vom Rodenstein".
Scheffels Leben war durchaus bewegt. 1848 ist Scheffel Sekretär des Abgeordneten Karl Theodor Welcker in der Frankfurter Nationalversammlung und beklagt später bitter die Niederschlagung der Revolution in Baden. Nach weiteren Reisen nach Frankreich und Italien und einer Tätigkeit als Hofbibliothekar an der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek in Donaueschingen, wohnt Scheffel in Karlsruhe als freier Schriftsteller. Hier heiratet er die Tochter des bayerischen Gesandten am badischen Hof. Den 1867 in Vevey geborenen Sohn erzieht Scheffel nach der Trennung von seiner Frau alleine.
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In den Jahren nach 1872 lässt sich Scheffel in Radolfszell nieder, wo er krank und zurückgezogen lebt. Sein dortiges Haus hat der Karlsruher Architekt Joseph Durm gebaut, der auch das Prinz-Max-Palais in Karlsruhe erbaut hat. Im Karlsruher Prinz-Max-Palais, zentral in der Innenstadt gelegen, ist heute das Museum für Literatur am Oberrhein und die Literarische Gesellschaft Karlsruhe/Scheffelbund untergebracht. Grundstock dieser Sammlung ist der umfassende und geschlossene Nachlass von Joseph Victor von Scheffel. Hier befinden sich die Manuskripte zum "Trompeter von Säckingen", zum "Ekkehard", seine Reiseskizzen, sämtliche Notiz- und Tagebücher, seine Gedichte, Zeichnungen und Aquarelle sowie die ganze erhaltene Korrespondenz, u.a. mit den wichtigen Zeitgenossen Welcker, Eggers und Heyse, mit Anton von Werner und mit Großherzog Karl Alexander. Diese Materialien bilden eine künstlerische Chronik und Illustration des Oberrheins in den Jahren zwischen 1840 und 1890. |
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Der Scheffelbund ist mit ca. 5.500 Mitgliedern eine der grossen literarischen Vereinigungen in Deutschland. Jedes Jahr vergibt der Scheffelbund an Abiturientinnen und Abiturienten für besondere Leistungen im Fach Deutsch den Scheffelpreis - ein Buchpräsent und eine fünfjährige kostenlose Mitgliedschaft in der Literarischen Gesellschaft. Inzwischen beteiligen sich ca. 600 Gymnasien in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland an der jährlichen Ausschreibung des Scheffelpreises.
Joseph Victor von Scheffel stirbt am 9. April 1886 in Karlsruhe, wo er auch begraben liegt.